| Pressespiegel nach dem Kampf gegen Timo Hoffmann |
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| Mittwoch, 5. Dezember 2007 | |
Magdeburg - Der Arbeitstag von Timo Hoffmann (33) endete in der Universitätsklinik. Es war Sonntagmorgen, zwei Uhr, als der blonde Hüne freiwillig darum bat, zur Untersuchung in das Magdeburger Krankenhaus gefahren zu werden.
Der Profiboxer aus Polleben, einem Ortsteil der Lutherstadt Eisleben, tat gut daran, sich in ärztliche Obhut zu begeben. Sein Gesicht war von den vielen harten Geraden und Haken, die er zuvor in der Bördelandhalle vom acht Jahre jüngeren Alexander Dimitrenko kassiert hatte, völlig entstellt. Sein Brummschädel war übersät mit Blutergüssen, sehen konnte er nur noch aus kleinen Schlitzen, seine Nase war doppelt so dick und breit wie vor dem Kampf. Von keinem seiner bisherigen 42 Gegner war er so zugerichtet worden wie von der großen Schwergewichtshoffung aus dem Hamburger Universum-Boxstall. Selbst nicht von Witali Klitschko, gegen den Hoffmann vor sieben Jahren nach Punkten verloren hatte. Und der Ukrainer gilt als einer der brutalsten Puncher der Welt.
Der zweistündige Check ergab, dass Hoffmann bis auf einen Nasenbeinbruch keine schlimmeren Verletzungen erlitten hatte. Mit dem ihm eigenen Humor nahm der Profi aus dem Berliner Sauerland-Stall dann auch die Diagnose zur Kenntnis. "Ich bin Boxer, solch eine Blessur gehört nun mal zum Job", sagte er mit gequältem Lächeln. Weit mehr als die geschwollene Nase schmerzte ihn allerdings die Gewissheit, von Dimitrenko die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit endgültig aufgezeigt bekommen zu haben. Sein Ehrgefühl war dabei noch zusätzlich gekränkt worden: Denn zum ersten Mal in seiner Karriere hatte er einen Kampf vorzeitig beenden müssen. 36 Sekunden fehlten in Runde zwölf, um in dem packenden Duell, das über fünf Millionen an den Fernsehschirmen verfolgten, den Schlussgong zu hören. Doch auch die Restzeit hätte an Dimitrenkos Sieg nichts mehr geändert, obwohl Hoffmann für einen "Lucky Punch" noch immer gut genug ist.
Das hatte er in Runde fünf bewiesen, als dem in 27 Kämpfen unbesiegten Intercontinentalchampion der World Boxing Organization (WBO) plötzlich der Atem auszugehen schien, nachdem er Hoffmann in der Runde zuvor am Rande des K.o. hatte, er zweimal angezählt werden musste. Mit einer wuchtigen Rechten ans Kinn hatte der tapfere Deutsche den Ukrainer in den Ringstaub geschickt.
Dimitrenkos Promotor Klaus-Peter Kohl erinnerte sich sofort an Wladimir Klitschkos sensationelle Niederlage vor neun Jahren in dessen Heimatstadt Kiew gegen den Amerikaner Ross Puritty. In dem Vorhaben, glänzen zu wollen, hatte sich der jüngere Klitschko-Bruder damals restlos verausgabt und war in Runde elf entkräft von seinem Trainer Fritz Sdunek aus dem Kampf genommen worden.
Der 60 Jahre alte Boxlehrer stand diesmal wieder in der Ringecke. Auch ihm fuhr der Schreck in die Glieder, als sein Schützling zu Boden ging. Dieser Moment habe ihm einige graue Haare beschert, gestand Sdunek. "Zu Beginn der fünften Runde war ich vollkommen ausgepowert. Das habe ich noch nie erlebt, und ich wusste deshalb auch nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll", schilderte Dimitrenko in fast akzentfreiem Deutsch seine Schwächephase, die sich nach eigenem Bekunden auch noch durch die Runden sechs und sieben zog. Danach jedoch war er wieder der dominierende Mann im Seilquadrat. Das sah Hoffmann nicht anders: "Sascha hat hervorragend geboxt. Das war stark."
"In einer wahren Schlacht hat Sascha seine Reifeprüfung gemacht", lobte Kohl den angehenden Juristen, der im nächsten Jahr seine Meisterprüfung ablegen soll. Der Universum-Chef wollte sich nicht festlegen, wann Dimitrenko zum ersten Mal um die Weltmeisterschaft kämpfen wird. "Aber er wird es", versicherte Kohl. Bevor es jedoch für den Weltranglistenzweiten der WBO um den WM-Gürtel geht, soll es zum Stallduell mit Luan Krasniqi kommen. Der frühere Europameister will nach seiner K.o.-Niederlage vor vier Monaten gegen den Amerikaner Tony Thompson noch nicht das Handtuch werfen. Für Dimitrenkos Reputation hierzulande wäre dieser Kampf ideal, und TV-Quotenbringer Krasniqi könnte sich rehabilitierten, sagt Kohl und liegt damit nicht verkehrt.
Im Schwergewicht sieht er ohnehin einer rosigen Zukunft entgegen. In Ruslan Tschagajew stellt sein Unternehmen den Weltmeister der World Boxing Association (WBA). Beim World Boxing Council (WBC) ist Dimitrenkos Landsmann Wladimir Wirchis die Nummer eins. Somit ist es durchaus möglich, dass in den kommenden Monaten gleich drei Weltmeister aus der Königklasse in Hamburg trainieren.
URL: http://www.welt.de/welt_print/article1377032/Nase_gebrochen_Ehrgefuehl_gekraenkt.html |
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